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Autorin
Dr. Ingeborg Jahn
Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS)
Linzer Str. 8-10, 28359 Bremen, Email: jahn@bips.uni-bremen.de
Einstieg
Seit die Bundesregierung sowie die Bundesländer die Strategie des Gender Mainstreaming (GM) als Leitprinzip ihrer Politik übernommen haben, werden zunehmend auch die Bemühungen bzw. Ziele der Frauengesundheitsbewegung für eine frauengerechte Gesundheitspolitik, -forschung und -versorgung unter diesem Stichwort verhandelt. Die Verknüpfung der Ideen des Gender Mainstreaming mit der Reform des Gesundheitswesens (Qualitäts- und Effizienzverbesserung der Versorgung, PatientInnen- und Zielgruppenorientierung etc.) scheint für eine nachhaltige Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Frauen erfolgversprechend.
Die Ziele von GM beziehen sich auf die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern und auf die Beseitigung von Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern (Gerechtigkeitsperspektive) ebenso wie auf die Verbesserung der Qualität von Leistungen (Qualitäts- bzw. Effizienzperspektive). Chancengleichheit in der Gesundheit zielt auf eine gleichwertige gesundheitliche Versorgung der Geschlechter, so dass diese ihre Gesundheitspotentiale entfalten können. Dies ist nur zu erreichen, wenn die Geschlechter bzw. weibliche und männliche Problemsichten angemessen an allen für die Gesundheit relevanten Entscheidungen beteiligt werden (Partizipation). Weiterhin ist erforderlich, die (potentiellen) Unterschiede zwischen den Geschlechtern - auch differenziert in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen (nach Alter, sozialer Schicht, ethnischem und kulturellem Hintergrund etc.) - zu berücksichtigen (Geschlechterungleichheit ist ein Teil von sozialer Ungleichheit).
GM verspricht - zumindest in der Theorie - die nachhaltige Umsetzung von "Frauenforderungen" auch im Gesundheitsbereich: Frauenförderpolitik beschränkt sich nicht mehr auf Sondermaßnahmen zum Ausgleich von Defiziten oder in besonderen Lebenslagen von Frauen, für deren Umsetzung bislang meist Frauen zuständig sind. Sie ist vielmehr Teil einer Geschlechterverhältnispolitik, die die sozialen Rollen beider Geschlechter thematisiert und Chancengleichheit als integratives Politikziel zur Aufgabe aller Beteiligten macht. Indem Geschlechterunterschiede nicht mehr einseitig als Defizite oder Vorzüge (des einen oder anderen Geschlechts) bewertet werden, eröffnet sich die Möglichkeit, die Nützlichkeit unterschiedlicher Fähigkeiten und Potentiale für die Realisierung von Zielen zu erkennen. GM erfordert strukturelle Veränderungen, z.B. die Erweiterung der biomedizinischen Perspektive um eine an Lebenslagen orientierte Sichtweise oder die Entwicklung von partnerschaftlichen Strukturen im Verhältnis von Arzt/Ärztin und Patient/Patientin. Der Fokus Chancengleichheit beinhaltet zugleich die Möglichkeit, Ungerechtigkeiten zu Lasten von Männern zu sehen und zu verändern.
GM ist auch im Gesundheitswesen bislang faktisch überwiegend ein Thema von "Frauen-Frauen" (d.h. in den traditionellen Gleichstellungs- und Frauenförderungsstrukturen) und im Mainstream der aktuellen Gesundheitspolitik noch nicht angekommen. Zentrale Aufgaben sind in nächster Zukunft die Entwicklung und Implementierung von konkreten Umsetzungsprojekten in der Praxis sowie die produktive Weiterentwicklung von Frauenpolitik und Gender Mainstreaming im Hinblick auf den Abbau von Geschlechterungleichheiten. Dies beinhaltet auch, die Expertise der Frauengesundheitsbewegung in aktuelle gesundheitspolitische Reformvorhaben.
Artikel / Expertisen
Lesley Doyle (2001) Sex, gender, and health: the need for a new approach. Britisch Medical Journal 323:1061-1063 http://bmj.bmjjournals.com/
Kurze Zusammenfassung der Diskussion von einer der profiliertesten Autorinnen.
Lesley Doyle (2004) Sex und Gender: Fünf Herausforderungen für Epidemiologinnen und Epidemiologen. Gesundheitswesen 66:153-157
Methodologisch und methodisch orientierter Artikel (nicht) nur für Gesundheitsforscher/innen.
Ingeborg Jahn (2002) Methodische Probleme einer geschlechtergerechten Gesundheitsforschung. In: Hurrelmann K, Kolip P (Hrsg.) Geschlecht, Gesundheit und Krankheit. Männer und Frauen im Vergleich. Hans Huber Verlag, Bern Göttingen Toronto Seattle, S 142-156
Ingeborg Jahn (2005) Die Berücksichtigung der Geschlechterperspektive. Neue Chancen für Qualitätsverbesserungen in Epidemiologie und Gesundheitsforschung. Bundesgesundheitsblatt
Ellen Kuhlmann (2004) Gesundheitsreformen - Ziele, Chancen und Konflikte aus Geschlechterperspektive. Vortrag auf der AKF-Tagung 13./14. Nov. 2004, Berlin
http://www.zes.uni-bremen.de/%7Ekuhlmann/AKF_Vortrag_04.pdf
Barbara Stiegler (2004) Geschlechter in Verhältnissen. Denkanstöße für die Arbeit in Gender Mainstreaming Prozessen. Friedrich Ebert-Stiftung. Expertisen zur Frauenforschung.
http://library.fes.de/pdf-files/asfo/02613.pdf
Angelika Wetterer (2002) Strategien rhetorischer Modernisierung. Gender Meanstreaming, Managing Diversity und die Professionalisierung der Gender Expertinnen. Zeitschrift für Frauenforschung und Geschlechterstudien. 3:129-148
Bücher
Klaus Hurrelmann, Petra Kolip (Hg.) (2002) Geschlecht, Gesundheit und Krankheit. Männer und Frauen im Vergleich. Verlag Hans Huber, Bern et al.
Anita Rieder, Brigitte Lohff (Hg.) (2004) Gender Medizin. Geschlechtsspezifische Aspekte für die klinische Praxis. Springer. Wien, New York.
Projekte / Themen
Frank Gerlach, Felix Greif, Stefan Hohlfeld, Ines Klinge, Christine Schittenkopf, Ines Schmidt, Ines Türke (2004) Gender-Pilotprojekt Krebsvorsorge der Senatsverwaltung für Gesundheti, Soziales und Verbraucherschutz. Abschlussbericht. Ms. http://www.berlin.de/imperia/md/content/sengsv/gend_main/2.pdf
Ellen Kuhlmann (2003) Gender Mainstreaming in den Disease Management-Programmen - das Beispiel Koronare Herzerkrankung. Expertise im Auftrag der Bundeskoodination Frauengesundheit. Fassung vom 22. März 2004
http://www.zes.uni-bremen.de/%7Ekuhlmann/expertise.pdf
http://www.who.int/gender/en/
Zugang zu den genderbezogenen Aktivitäten der WHO, incl. Publikationen.
http://hc-sc-gc.ca/english/women/resources.htm
Seite des kanadischen Women´s Health Bureau und zur kanadischen Frauen- und Genderpolitik, incl. Gender-based Analysis, die recht weit gediehen ist und vielfach Vorbildfunktion hat bzw. haben kann.
http://www.europa.eu.int/
Gender Mainstreaming-Seite der EU (zum Teil auch in deutscher Sprache).
http://www.genderkompetenz.info/
Seite des Genderkompetenzzentrums an der Humboldt-Universität zu Berlin, enthält auch Informationen zum Sachgebiet Gesundheit.
http://www.gender-mainstreaming.net/
Gender-Mainstreaming-Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, enthält auch Informationen über Gender Mainstreaming-Prozesse in den Bundesländern und in Kommunen.
http://www.frauengesundheit-nrw.de/
Internetpräsenz der Koordinationsstelle Frauen und Gesundheit in NRW mit aktuellen Informationen zu verschiedenen Themen.
http://artemis.bzga.de/frauen/
Fachdatenbank "Frauengesundheit und Gesundheitsförderung" der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZGA).
http://www.bips.uni-bremen.de
Enthält Zugang zu verschiedenen Materialien und Ressourcen zu Gender Mainstreaming im Bereich Gesundheit.
"Frauengerecht - gendergerecht ... auf dem Weg zu messbaren Erfolgen in der Gesundheitsversorgung", Workshop der Bundeskoordination Frauengesundheit in Zusammenarbeit mit dem Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin, 11.+12. März 2004
hier zum downloaden als pdf Datei:
Auswertung der Evaluation
Dokumentation des workshops
Margrit Eichler et al. (2002). Zu mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern: Erkennen und Vermeiden von Gender Bias in der Gesundheitsforschung (deutsche Bearbeitung). BZPH Blaue Reihe, Berlin http://www.ifg-gs.tu-berlin.de/handbuchGBA.pdf
Diese - deutsche Bearbeitung eines kanadischen - Handbuchs richtet sich an Personen, die sich bemühen, Gender Bias in der Forschung zu vermeiden: Forscherinnen und Forscher, Gutachterinnen und Gutachter, Mitglieder von Ethikkommissionen, zur Vorbereitung von Ausschreibungen.
Health Canada (2003) Exploring Concepts of Gender and Health.
http://www.hc-sc.gc.ca/english/women/exploringconcepts.htm
Dieses kanadische Handbuch will die Berücksichtigung der Kategorie Gender sowohl in der Gesundheitsforschung als auch in der Entwicklung von Politik und Programmen unterstützen. Es enthält einige ausführliche Beispiele, u.a. zur gendersensiblen Entwicklung von Tabakpolitiken.
http://www.gesundheitsfoerderung.ch/
"Ziel dieses - im Auftrag der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz erstellten - Gender-Papiers ist es, Hintergrundinformationen und Material zur Verfügung zu stellen, welches ProjektleiterInnen bei der Beantwortung der Schlüsselfragen in ihrem konkreten Projektzusammenhang unterstützt. Diese Ausführungen sind notwendigerweise allgemein gehalten, denn jedes Projekt hat eigene Rahmenbedingungen und Zielsetzungen."
Dieses Material enthält sowohl Hintergrundinformationen zur Strategie des Gender Mainstreaming (begriffliche Grundlagen, Auseinandersetzung mit Argumenten und Missverständnissen, Ansatzpunkte für die Umsetzung von GM im Gesundheitsbereich) als auch eine Systematisierung von Gender-Anknüpfungspunkten zur Berücksichtigung der Kategorie Geschlecht auf allen Ebenen und Prozesschritten. Als allgemeines Instrument wurde eine Gender-Matrix entwickelt. Es handelt sich dabei um ein allgemeines Instrumentarium, das möglichst in vielen gesundheitsbezogenen Handlungsfeldern einsetzbar ist: Gesundheitspolitik, Entwicklung von Programmen zur Umsetzung gesundheitspolitischer Zielsetzungen, Gesundheitsforschung und Gesundheitsförderung.
Brigitte Sellach, Uta Enders-Dragässer, Susanne Baer, Mara Kuhl, Brigitta Kress (2003) Wissensnetz. Gender Mainstreaming in der Bundesverwaltung
http://www.gender-mainstreaming.net/gm/wissensnetz.html
"Das "Wissensnetz Gender Mainstreaming" enthält Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Prozess der Implementierung von Gender Mainstreaming innerhalb der Bundesregierung sowie aus internationalen Prozessen. Das Wissensnetz ist konzipiert als ein praxisnaher und anwendungsorientierter Wissenspool, der einen Überblick über zentrale Aspekte der Umsetzung der Strategie des Gender Mainstreaming enthält."
Gender Check - Online-Instrument und Beratungsplattform des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit
http://www.bag.admin.ch/gender/praxis/d/index.htm
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