Gesundheitsberichte geben Auskunft über den allgemeinen Gesundheitszustand der Bevölkerung eines Landes, Bundeslandes, einer Gemeinde oder Kommune. Bis Ende der 1990er Jahre wurden sie nicht geschlechtersensibel verfasst: Daten und Fakten zu Erkrankungen und Sterblichkeit von Frauen und Männern wurden zwar getrennt erhoben, nicht aber geschlechterbezogen begründet und in den unterschiedlichen lebensweltlichen Kontext gestellt. Erst die feministische Kritik am Gesundheitssystem und seiner Ausrichtung am Mann führte zu einem Bewusstseinswandel, 1997 dann zum ersten kommunalen Frauengesundheitsbericht (Berlin-Hohenschönhausen) und 2002 zum ersten Bericht auf Bundesebene.
Ziel der Frauengesundheitsberichterstattung ist es, die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau über die geschlechtersensible Beschreibung und Würdigung ihres Gesundheitszustandes zu fördern. Indem sie die Gesundheitsrisiken und -chancen in ihrem jeweils geschlechtsspezifischen lebensweltlichen Kontext aufzeigt, werden Defizite in der Gesundheitsversorgung für Frauen und Männer deutlich. Dies ermöglicht es, Handlungsnotwendigkeiten zu erkennen und Lösungsstrategien zu entwickeln. Die geschlechtersensible Gesundheitsberichterstattung steht somit im Dienst einer verbesserten Gesundheitsversorgung von Frau und Mann.
Frauengesundheitsberichterstattung in Deutschland
Seit Ende der 1990er Jahren nimmt die Zahl der Frauengesundheitsberichte kontinuierlich zu: Auf den nachfolgenden Seiten folgen kommentierte Zusammenfassungen und Inhalte zu allen derzeit verfügbaren Gesundheitsberichten in Deutschland. Die Kommentare und Einschätzungen, die die bkf auf den folgenden Seiten vornimmt, soll Ihnen als erste Orientierung dienen und Sie ein Stück weit durch die Vielfalt der Informationen lotsen.
BUND
Frauengesundheit in Ost und West: Der erste Bericht zur gesundheitlichen Situation von Frauen in Deutschland des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von 2001 berücksichtigt die unterschiedliche gesundheitliche Entwicklung von Frauen in West- und Ostdeutschland. Neuere Daten hat das Robert Koch Institut aufbereitet
Länder
Mit Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt haben sich sieben Bundesländer einer regionalen Frauengesundheitsberichterstattung angenommen. Besonders engagiert, differenziert und empathisch, setzen sich die Länder Brandenburg, Bremen und Hamburg mit der Thematik auseinander: Sie diskutieren neueste Forschungserkenntnisse, formulieren umsetzbare Handlungsempfehlungen und beschreiben neue Handlungsfelder, etwa die Häufigkeit von Gebärmutterentfernungen oder die problematische Situation pflegender Angehöriger.
Kommunen
Der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Lebenswelt wird in der kommunalen Berichterstattung besonders deutlich: Hier haben sich die Städte und Kreise Berlin-Hohenschönhausen, Bremen-Tenever, Hamburg und der Kreis Lippe jeweils mit einzelnen Stadtteilen bzw. mit einer spezifischen Thematik (Schwangerschaft und Geburt sowie Qualitätsmanagement) auseinandergesetzt.